Baustellen Einsätze

7. Aug, 2015

Astrid beim Fensterglas wechseln

7. Aug, 2015

Hintergründe zum Hope Projekt in der Nähe von Srinagar

Carmen ( unsere Gastgeberin) sah über die Jahre auch Bedarf,  in Ihrer Wahlheimat Kaschmir, mit den zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln, einen Anfang für ein Tochterprojekt aufzuziehen. Der primäre Bedarf liegt bei einer Krankenstation mit einem dörflichen Einzugsbereich von ca.25 Dörfern, (mit je ca. 4000 Einwohnern). Das Projekt startete vor 5 Jahren in einem anderen Gebäude und zog dann in ein kleines Haus dort in der Nähe. Es wird von einem Kashmiri Arzt, Dr. Serva und einer Kashmiri Zahnärztin  Dr. Sheeba geleitet, die 2-3x die Woche ihre Hilfe für einen kleinen Obolus an die Dorfbevölkerung geben. Inzwischen wurden noch 2 weitere Ärzte für ein geringes Gehalt beschäftigt, die jeden Vormittag dort Patienten behandeln. Carmen hatte in unserem Erstkontakt die Idee, uns dort einzusetzen. Sie lud uns nach Kaschmir, in das Haus Ihrer Schwiegereltern ein, um dann vor Ort zu schauen,  was möglich ist. Ich war extrem tatendurstig,  als wir nach einer Woche Reise von Leh nach Srinagar zurückkehrten. Doch die indisch „kaschmirischen“ Mühlen mahlen ganz anders, als die deutschen. Nun gut, dafür bin ich ja auch her gekommen, um das „andere“ kennenzulernen. Zudem war ich mit einem Bänderriss am Fuß, der mich 1 Woche vor Abfahrt ereilt hat, eher gehandikapt, als voll einsatzfähig. Parallel zu der Akklimatisierung im Haus von Carmen, machten wir uns erst mal ein bisschen nützlich. Dort wurde gerade ein neues Haus errichtet, und wir konnten schon mal staunend mitansehen, wie es mit den geringen Mitteln und Werkzeugen von Tag zu Tag Gestalt annahm. Unsere Versuche, mit einer einfachen Handsäge eine Küchen-Theke herzustellen, waren eher bescheiden und die von uns selbst abverlangte Geschwindigkeit, nicht im Geringste einzuhalten.

Wir und das Hope Projekt Srinagar

In der Zwischenzeit besuchten wir dann die Krankenstation am Rande von Srinagar. Die beiden Ärzte begleiteten uns. Im Laufe der Gespräche stellte sich dann heraus, dass eine Renovierung oder Baumaßnahmen an diesem Objekt mit mehr Schwierigkeiten verbunden sind, als erwartet. Das Gebäude ist gemietet. Der Vermieter weigert sich, einen Vertrag zur Nutzung des Gebäudes zu unterschreiben und ändert ständig seine Bedingungen, das hat selbst die Kaschmiri Ärztin Sheeba aus der Ruhe gebracht. Der Vermieter sieht,  dass Patienten kommen und die Station angenommen wird, auch Menschen aus der Botschaft und „Weissnasen“ immer wieder auftreten, und wittert Profit. Dass aber ein armer Patient 5 Rupien pro Behandlung zahlt, das ist umgerechnet 0,6 Eurocent, das wird nicht gesehen. Das Gebäude besteht aus 2 Räumen und einem Flur, der als Wartebereich genutzt wird. Der eine Raum dient dem praktische Arzt, der andere dem Zahnarzt. Der Ziegelbau hat keine Dämmung, und das Dach besteht aus Holzplatten, über denen sich ein Blechdach erhebt. Das Wasser wird in einem Tank angeliefert und per Eimer in einen Tank auf dem Dach geschöpft. Auch die Zufuhr von Elektrizität beschränkt sich auf 2 Kabel, die bei Bedarf an einen Transformator angeschlossen werden. Lüsterklemmen sind ein Fremdwort. Der Zahnarztstuhl hat also eine Lichtquelle, bei Stromausfall, der sehr häufig ist, bleibt die Zahnarztpraxis geschlossen.

Die Gespräche gingen hin und her und plötzlich war eine Entscheidung da, „ich kaufe ein Stück Land, und wir bauen unsere eigene Krankenstation“ sagte Carmen. Also saßen wir in der Krankenstation, die Kinder des Dorfes drückten sich vor Neugier schon die Nasen platt, und wir entwickelten einen Plan für die nächste Zeit. Es soll noch in diesem Jahr ein Grundstück gefunden werden und die Fundamente für ein Gebäude gelegt. Über den Winter ruht es dann, und nächsten Frühling/ Sommer wird der erste Bauabschnitt, bestehend aus 2 Räumen, einem Warteraum und Toilette,  gebaut werden. Dafür müssen jetzt noch Spendengelder gesammelt werden, Kostenpunkt ca. 6000€. Die Patienten könnten auch Ihren Beitrag zu Ihrer Krankenstation leisten, indem sie statt 5 Rupie für die Behandlung z.B. 5 Arbeitsstunden dazu beitragen. Damit könnte eine höhere Identifikation mit dem Objekt stattfinden. Die beiden Ärzte werden jetzt auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück gehen. Wenn sie das in unserer Zeit hier gefunden haben, habe ich vorgeschlagen, ihnen bei der Planung behilflich zu sein. Jürgen hat vorgeschlagen, die Pläne für eine solarbetriebene Fußbodenheizung zu erstellen, das könnten wir vielleicht schon mal anfangen. Des Weiteren werden wir nächste Woche ein paar kleinere Arbeiten an dem bestehenden Haus durchführen. Werkzeug und Material konnten wir schon bei einer ausgedehnten Shoppingtour erstehen (just ½ day for a bag of tools and material – unfortunately- not finished), Licht verlegen, einen einfachen PVC- Belag  auf den gestampften Boden legen, damit dieser auch zu wischen ist, die kaputten Fensterscheiben erneuern und Styropor aufs Dach legen, falls wir das bekommen. Mal sehen,  wie lange das dauern wird. Die Häuser hier sind meistens überhaupt nicht gedämmt, nicht mal die Dächer, dabei wird es hier im Winter bis zu 5°Grad minus. Heizungen, oder sowas wie Kachelöfen,  gibt es nicht. Nur in wenigen reichen Häusern, gibt es Kammern unter den Wohnräumen, in denen im Winter ein Feuer entfacht wird und die Menschen, die hier allesamt  auf dem Boden sitzen, auf warmen Granitfußböden sitzen können. Der normale Bürger hat manchmal eine Art Kanonenofen oder auch eine Art kleinem  Kessel, der unter den Rock gestellt wird und die Beine und Füße wärmt. Umso erstaunlicher ist es, dass die ca 90 Jahre alte Mutter von Aslam, noch immer aus dem Sitzen auf dem Boden aufstehen kann, wenn auch mit Hilfe eines Stockes. Diese Krankenstation hingegen hat überhaupt keine Heizung.

7. Aug, 2015

Hallo Leute

Nachdem wir dann in mühevoller Sammelarbeit Lampen, Kabel und Zubehör besorgt haben, wurden wir am Freitag von Frau Dr. Sheeba und Ihrem Mann abgeholt. Die Glasscheiben, die wir zum Einsetzen besorgten, die den Karton ersetzten sollen) wurden ebenfalls in Ihrem Auto verladen. Es war jetzt bereits 10.15 Uhr.

Morgens hatten wir noch versucht, Scharniere die Carmen aus Deutschland mitbrachte, für die Schranktüren des Schranks, den der Schreiner von Hand baute, einzusetzen. Der Schreiner wollte sich damit nicht beschäftigen. Der Hausherr Opa Lala hat uns darum gebeten.

Also fahren wir los: das übliche Chaos, Vorfahrt nehmen, Hupen, alles verstopft - weil keiner nachgibt, diskutieren, schon läuft es wieder. Anhalten zum Obst kaufen, überall auf dem Highway stehen die Händler. Gelegentlich kreuzt eine Eselskarre oder auch ein Pferdegespann unseren Weg. Mann und Frau brauchen halt Verpflegung, keiner weiß, was uns erwartet. Haben wir genügend  Werkzeug? Und gibt es heute Strom? Passen die Scheiben? Weiter geht’s.  Dr. Sheeba meint,  wir müssten unbedingt die auf Holzkohle gerösteten Maiskolben probieren, also wieder Stopp, aussteigen,  verhandeln. Nur die Ruhe, keine Hektik, bleib cool. Plötzlich wieder halt, Ihr Mann meint wir brauchen noch etwas Warmes zum Lunch. „Nein Danke“ wird nicht akzeptiert. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Besitzer des Restaurants den Reis mit Dal ( Linsen ) und ein Gemüse zubereitet und in Tüten verpackt hat. 12.30 Uhr, endlich kann es losgehen. Um sieben werden wir wieder eingesammelt.

Wir wollen heute auf jeden Fall fertig werden, morgen sind wir eingeladen,  das Wochenende mit Aslam und seinen Freunden in den Bergen zum Forellenfischen zu verbringen.

Strom ist da, schnell alle Bohrungen ausführen, das kann sich schnell ändern. Astrid beginnt, die Holzleisten der Fenster zu demontieren, die sind so trocken, dass sie teilweise brechen und die Fensterlöcher sind leider trapezförmigen,  eben Handarbeit. Jetzt müssen die  Fensterrahmen und die Scheiben nachgearbeitet werden. Zum Glück gibt es einen Glasschneider, und wir haben ein Cutter Messer in der Werkzeugkiste. Es ist unerträglich warm in dem Haus, kein Wind geht, und die Hütte wird immer voller mit Dorfbewohnern aller  Altersklassen, männlich wie weiblich.  Astrid entschließt sich, erst mal alle vor die Türe zu setzten, nur der Angestellte des Hope Projektes bleibt, ein junger Mann, 22 Jahre, mit Englischkenntnissen, der sich  als echte Hilfe erweist. Um den elektrischen Strom zu aktivieren , werden einfach zwei blanke Kabelenden aufeinander gehakt: das ist der Hauptschalter, in Kaschmir scheinbar üblich. Also versuche ich, die Rahmen mit dem Cutter Messer in quadratische Form zu bringen. Der Helfer beschäftigt sich derweil mit dem Beseitigen der Leisten, sowie das Kürzen der Scheiben. Ich montiere die Lampen auf die Balken, dreifach schwierig: kein  Akkuschrauber, keine Kreuzschrauben, sondern nur Schlitzschrauben, die bei einmal Überrutschen „vermurkst“ sind. So die Lampen hängen endlich. Nun verlege ich das Kabel von der Schalterleiste im Zahnarztraum über dem offenen Speicher mit Nagelschellen.  Nach etlichen gebrochenen Schellen hab ich es dann doch geschafft. Jetzt werden die Drähte miteinander vertüdelt und mit Isolierband umwickelt. Wie schon erwähnt, sind Lüsterklemmen nicht üblich. Zwischendurch kommt ein verletzter Kaschmiri in die Krankenstation. Der wird sofort von dem Helfer und Leuten aus dem Dorf erfolgreich behandelt. Nun wird das Lunchpaket ausgepackt, Die leckeren Linsen und das Gemüse vertilgt. Einem Kaschmiri gebe ich die Bananen, damit er sich eine abrupft, doch der bringt erst mal alle in Sicherheit. Also keine Bananen zum Nachtisch.  Wir sitzen natürlich nicht alleine, die Schule muss aus sein, es kommen auf einmal viele Kinder und reden mit uns:“How are you?“. Auf den Dörfern wird kein Englisch gelehrt nur in den Städten. So jetzt Endspurt, die letzten Kabelverbindungen werden hergestellt, Schalter und Stecker montiert. Fertig. Astrid ist schon seit längerem fertig und hat sich noch eine kleine Teppichweberei gegenüber angeschaut. Jetzt wird der Hauptschalter, die zwei blanken Kabelenden aufeinandergehakt. Licht brennt und die Schalter funktionieren auch. Wir packen zusammen und gehen nach draußen. Ich flaxe mit den Kindern, und wir spielen Ball, alle Kinder haben Spaß. Da noch Zeit ist, bitte ich den Helfer,  mir sein Dorf zu zeigen. Einige junge Männer begleiten uns. Wir gehen  an den Mühlen vorbei, in denen das Korn gemahlen wird. Alles wird über Transmissionsriemen angetrieben und läuft völlig unwuchtig, aber es funktioniert. Erinnert alles an Technik aus den vierziger Jahren.  Die Dorfbewohner erzählen mir von der Flut und zeigen mir, dass das Wasser hier bis zu 3 Meter hoch gestanden hat. Vieles ist mit Brettern und Wellblechen ausgebessert. Es regnet rein und zieht an allen Ecken, wo die Winter hier ähnlich wie bei uns ausfallen. Sie zeigen mir die Reisfelder und die Entwässerungsgräben, die offen durch die Dörfer laufen. Junge  Frauen begrüßen mich an einem Bach sitzend und kichern. Der Dorfladenbesitzer zeigt mir stolz  seinen bescheidenen Dorfladen mit dem Nötigsten,  was gebraucht wird. Zurück zum Auto verabschieden wir uns von den Dorfbewohnern,  die uns noch nachwinken.

Auf der Rückfahrt wieder Schlaglöcher, Pferdekarren, Hupen, Vorfahrt nehmen, jeder hat mal wieder recht. Irgendwie läuft es, und ich bin froh, nicht fahren zu müssen.

 

5. Aug, 2015

Liebe Freunde und Bekannte

Ich möche euch gerne mit euren Spenden und unseren Fortschritten auf dem laufenden halten.

Erst mal sind es 30 Grad mit 65% Luftfeuchte. Wir schwitzen non stop!!! Wir waren heute wieder bei Bshir auf der Baustelle und haben besschlossen ihm auch den 2 Teil des Baus zu finanzieren.Das heißt für 3 Zimmer und 1 Bad 1200€. Der erste Teil des Rohbaus wird morgen abgeschlossen, wir haben heute Steine sortiert und angegeben, das war unsere große Tat, weil wir nicht auf die Gerüste steigen wollten, die nur aus ziemlich wackelige Brettern aufeinandergelegt, bestehen. "Man muss es ja net überdrive!"

Eure Spenden berufen sich zZ auf 3725€ herzlichen Dank dafür.Wir fühlen uns so beschenkt hier sein zu können, mit den Leuten hier zu lachen, und ihre Bescheidenheit zu bewundern.

Alles Liebe Astrid und Jürgen